Heimatbild

Berge der Oberlausitz — Schmoritz


Die Schmoritz - 412m - (Šmorc)

Fluranteile hatten früher Binnewitz, Mehlteuer und Pielitz. Heute gehört der Gipfel zur Flur Großposwitz, der Ostteil zur Gemeinde Kubschütz.
Die Stadt Budissin kaufte den holzreichen Berg mit vielen Buchen, Birken und Eichen zusammen mit Mehlteuer 1584 zurück, nachdem sie zuvor vieles durch den Pönfall verloren hatte.

Die Form der Schmoritz ähnelt einer Brotleibform wie viele andere Bergrücken des Oberlausitzer Berglandes, die aus Granodiorit bestehen. Das Magma ist in der Tiefe langsam abgekühlt und dabei sind Minerale auskristallisiert: Feldspat, Quarz und Glimmer. Zwischen der ehemaligen Försterei Mehlteuer und dem Schmoritzwald führt der Weg über eine leichte Bodenwelle. Hier verbirgt sich ein Quarzgang, der 250 m weiter westlich beginnt und sich bis östlich Rachlau verfolgen lässt. Er füllt eine Verwerfungsspalte aus, die durch die nachträgliche Hebung des Czornebohzuges verursacht wurde. Neben Quarz ist teils Eisenglanz zu finden.

Die erweiterte Gipfelregion der Schmoritz erstreckt sich über fast einen Kilometer nach SO bis zum Schafberg (380 m).

Den Schafberg erblicken wir rechts, wenn wir aus dem Schmoritzwald heraustreten. Der Berg war die Hutung vom Rittergut Pielitz, welches in Großkunitz eine Schäferei besaß, deshalb auch der Name Lämmerberg. Reste einer Windmühle, die 1830 als Holländermühle errichtet wurde, sind noch spärlich vorhanden (ein Ring).

Eine alte Burganlage mit Wall

Auf dem Berg gibt es Reste einer mittelalterlichen Wehranlage und interessante Steinhügel.
Die eigentliche Gipfelregion (Südseite) war eine sogenannte Höhenburg, d.h. seit ca. 1160 bis kaum länger als 1225 eine Wohnstätte (R. Spehr) wohl zur Sicherung alter Handelswege von Budissin nach Cunewalde und darüber hinaus.

Der Gipfel wird oval von einem Wall umzogen, der im Norden an eine zerklüftete Felswand anschließt. Der Wall besteht aus Steinen und Lehm mit einer Innenfläche von 90 x 50 m. Er war am Fuße 5-6 m breit und 1,5 - 3 m hoch. Ein Graben umgab die Burg, von welchem die Reste erhalten sind. Dem Wall war eine Wehrmauer aus Holz und Stein aufgesetzt. An seinem Innenfuß verläuft eine flache, bis zu 5 m breite Mulde, die wohl bei der Materialentnahme für die Burgmauer entstanden war und dann zur Anlage einer Reihe von Grubenhäusern diente, welche kasemattenartig an die Innenwand der Mauer angelehnt wurden. Ein Tor befindet sich im Südwesten. Weiter unten umgrenzt ein zweiter Steinwall den Westhang des Berges. Er beginnt im Norden zwischen Felsklippen und endet nach 280 m im Süden (Höhe 0,5 m außen; 1,5 m innen). Eine Fortführung nach Osten konnte nicht gefunden werden.
Schon Benjamin Preusker aus Löbau kannte diesen zweiten Wall, ebenso wie Richard Andree, der 1874 eine Lageskizze vorlegte.

1899 und 1901 begann die Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der OL hier mit Sondierungen. 1904 wurden 2 Wallschnitte und mehrere kleinere Bodeneingriffe im Innenraum angelegt. Dabei und später (1927 und 1984) fand man Scherben aus dem 11.-12. Jh.
Spätmittelalterliche Funde sind wohl Zeichen einer gelegentlichen Nutzung als Zufluchtsort. Zu dieser Nachnutzung könnte auch eine am Ostende der Innenfläche aus dem massiven Fels gebrochene Zisterne von 8 m Länge, 2-3 m Breite und 4-5 m Tiefe gehören, da ihr Ausbruchsmaterial nicht zum Bau der Wehrmauer verwendet wurde, sondern am Rande der Grube aufgehäuft und an den Wall von innen angeschüttet war.
Die Tätigkeit von Schmieden und vielleicht auch Pechsiedern könnte man vermuten: Es gibt viele kalottenförmige Eisenschlacken, wohl als Abfälle aus Schmiedeessen und verkrustete, teils durchbrochene Scherben.
Man fand außerdem ein Bruchstück eines Drehmühlsteines und 1954 auf dem Wall die Hälfte eines solchen.

Förster Lehmann aus Mehltheuer ließ 1904 einen Wanderweg von Pielitz nach Postwitz anlegen. Dabei musste der Burgwall durchschnitten werden. Gefunden wurde hier auch ein extrem feinkörniger Stein von einer Art, wie sie in der Oberlausitz nicht vorkommt, in Norwegen dagegen sehr wohl. Der älteste der 3 Inlandeisvorstöße im Pleisozän, der elsterkaltzeitliche, hat ihn mitgebracht. Es handelt sich dabei um eine Art Wetzstein zum Schärfen von Metall (Dr. Jürgen Vollbrecht, Museum Bautzen).

Zisterne innerhalb der Burganlage             Foto: Dietmar Eichhorn

Außerdem erstrecken sich auf der westlichen und östlichen Gipfelseite etwa je 30 runde Steinhaufen im Durchmesser von 4-8 m, die überwachsen sind. Die Höhe beträgt 50-120 cm.
Es wurde 1906 und 1978 (Reinhold Spehr) je ein Hügel geöffnet. Die Untersuchungen ergaben, dass es sich hauptsächlich um Lesesteine handelt. Ein zerbrochener Mahlstein war auch dabei. Ob nun hier oben im 12. Jh. systematisch nach Mühlsteinen gesucht wurde, indem man geeignete Platten prüfte, kann nicht ausgeschlossen werden. Dabei ging es sicher um Handreibe- oder Handdrehmühlen. Letztere bekamen in Loch in der Mitte und hatten z.B. einen Durchmesser von 48 cm. Die Steinhaufen waren dann der Abfall (so die erste These), denn nur bestimmte ebene Stücke des verwitterten Granodiorits (Alter: 540 Mio. Jahre) waren geeignet.
Man kann auch ein steinfreies Gelände für gute Viehweiden und Hackbau angestrebt haben als der Berg um die Wende zwischen Mittelalter und Neuzeit unbewaldet war und somit störende Steine aufgelesen und zu Haufen aufgeschüttet wurden.

Dr. Ronald Heynowski vom Landesamt für Archäologie in Sachsen arbeitet an einem digitalen Geländemodell für die Schmoritz (Geoscan). Dazu werden seit 2011 in einem Ultraleichtflugzeug Flüge in 300-400 m Höhe durchgeführt.

Dietmar Eichhorn

letzte Aktualisierung: 17. Juli 2021