Heimatbild

Türme auf Oberlausitzer Bergen

Der Czorneboh — Aussichtsturm mit Bergbaude


Die Bergbaude und der Turm sind seit Oktober 2013 geschlossen.


Um die Mitte des 19. Jahrhunderts besannen sich unsere Vorväter auf die Schönheiten ihrer Heimat und bildeten entsprechende Vereine zur Erschließung der heimatlichen Natur. Ein noch nie dagewesenes Interesse am Wandern und Bergsteigen griff um sich. Vermehrte Freizeit an den Wochenenden gerade im städtischen Bereich und der Drang hinaus zu Mutter Natur bevölkerten Wege und Stege. Ein übriges tat dazu der Bau neuer Verbindungen der Eisenbahn in der Oberlausitz, sodass die Berge immer näher rückten.

Turm auf dem Czorneboh

Im Februar des Jahres 1850 regte der städtische Oberförster Karl Friedrich Franz Walde erstmals in einer Eingabe an den Rat der Stadt Bautzen an, einen Aussichtsturm mit einem Unterkunftshaus auf dem Czorneboh zu errichten, um allen Bergbesuchern von einem möglichst hohen Standpunkt aus die umfassende, wunderbare Aussicht nach allen Richtungen hin zu ermöglichen.
Der Stadtrat erteilte hierzu seine Genehmigung, auch dazu, durch eine Sammlung zur Kostendeckung beizutragen. Die Sammlung erbrachte für die damalige Zeit eine riesige Summe. 470 Taler, neun Groschen und fünf Pfennige waren dann das Ergebnis, das zur Finanzierung des geplanten Projektes gespendet wurde. Eine Gedenkmünze, heute eine Rarität für Numismatiker, wurde herausgegeben. Auf ihr stand:

"Waldesdunkel und Sonnenlicht,
  reine Bergluft und ferne Sicht,
  Lausitzer Herzen, gemütlich und froh
  — solche Schätze birgt Czorneboh".

Am 12. August 1850 fand dann die feierliche Grundsteinlegung für den Aussichtsturm statt. Der Architekt, Bau- und Zimmermeister Traugott Hobjan aus Bautzen hatte den Bauplan nebst Kostenanschlag anzufertigen. Die Bauausführung übernahm Meister Eichler aus Lauba. Am 17. Mai 1851 war der Rohbau bereits fertig und wurde feierlich eingeweiht. Der Innenausbau erfolgte bis zum Juli des selben Jahres.
Der Rat der Stadt hatte sich nicht nur mit 250 Talern beteiligt, sondern spendete auch eine eiserne Turmtür aus einem alten Sparkassengewölbe sowie ein eisernes Gitter aus dem Ratssaal. Der 23 Meter hohe Turm kostete 1152 Taler, 27 Neugroschen und 7 Pfennige. Oberförster Walde setzte eigenes Geld zu, aber die Lücke zwischen Sammlerergebnis und Kosten wurde schon in kürzester Zeit durch den Verkauf von Eintrittskarten gefüllt. Jeder Besucher zahlte 10 Pfennige.

letzte Aktualisierung: 04. Mai 2014